Emplastrum, der Vorgänger der heutigen Pflaster

Historische Arzneiform: das Emplastrum

Emplastra sind die die ersten Vorläufer unserer modernen Heftfplaster von heute. Die Definition im Deutschen Arzneimittelbuch von 1921 zeigt uns, dass die damaligen Emplastra nichts, aber auch gar nichts mit den heute gängigen 'Pflästerli' zu tun haben, zumal sie auch Wirkstoffe (z.B Quecksilber oder Bleisalze) enthielten, die heute verboten sind:

Zum äußerlichen Gebrauch bestimmte Arzneizubereitungen, deren Grundmasse aus Bleisalzen der in Ölen und Fetten vorkommenden Säuren, aus Fett, Öl, Wachs, Harz, Terpentin oder aus Mischungen von einzelnen dieser Stoffe bestand. Die Pflaster werden in Tafgelön, Stangen oder Stüpcke von verschiedener Form gebracht oder auf Stoff gestrichen. Sie sind bei gewöhnlicher Temperatur fest und in der Hand knetbar; beim Erwärmen werden sie flüssig.[1]

Die Herstellung dieser Arzneizubereitungen hören sich mit einem Seitenblick auf die heutigen genauen Vorschriften beinahe abenteuerlich an:

[...] werden [...] die schwerer schmelzbaren Bestandteile zuerst für sich geschmolzen, dann die leichter schmelzbaren hinzugesetzt; der wenn nötig durchgeseihten und halb erkalteten Masse werden die gut getrockneten, pulverförmigen sowie die flüchtigen und die anderen Zusätze durch Rühren beigemischt. Das Rühren ist so lange fortzusetzen, bie die Masse so dick gewordenh ist, dass die einzelnen Bestandteile sich nicht wieder absondern. Darauf ist die Masse in die entsprchende Form zu bringen. [...], so soll die Dicke der Pflasterschicht 1 mm nicht überschreiten. [1]

Das Bleipflaster
Die Vorgänger von Leukoplast sahen ganz anders aus...

Tatsächlich enthielten damals meist alle Pflaster Blei. Denn durch Kochen von Bleioxid (Mennige) mit Ölen und Fetten werden letztere in ihre Fettsäuren und Glycerin zersetzt. Das Blei bildet mit den Fettsäuren eine knetbare Masse (Bleisalze). Knetet man diese mit lauwarmem Wasser, wird die Masse vom Glycerin befreit.

Diese Bleipflaster bestanden also aus Bleisalzen-Stangen, die z.B. mit der unten abgebildeten Pflasterpresse hergestellt wurden. Bei Zimmertemperatur war die Masse fest, wurden aber bei Erwärmung auf Körpertemperatur weich und knetbar. Gutes Bleipflaster wird in der Hand weich aber nicht schmierig.
Unmittelbar vor Gebrauch erwärmte man die Stangen und verteilte sie auf passend zugeschnittene Stoffbahnen. In die Grundmasse wurden je nach Indikation Wirkstoffe eingearbeitet, welche auf der Haut ihre Wirkung entfalteten (z.B. durchblutungsfördernd).

Untenstehende Pflasterpresse ist mit einer Temperiervorrichtung versehen. Das Pressen geschieht folgedermassen:
Die geschmolzene Pflastermasse wird in die Zinkbecher links im Bild gegossen und erkaltet gelassen. Die Beacher werden nach dem Erkalten gestürzt und man erhält Pflasterkegel, welche genau in den Zylinder passen. Der gefüllte Zylinder wird mit dem Kolben verschlossen. Beim Herunterdrehen des Kolbens erscheint das Pflaster unten in schön geformten Stangen

Pflasterpresse

Emplastrum cantharidis: das Spanische Fliegenpflaster (stark reizend und durchblutungsfördern)
Emplastrum lithargyri simplex: das Bleipflaster soll gegen Frostbeulen, Verbrennungen und Hühneraugen u. s. w. sehr wirksam gewesen sein
Emplastrum hydrargyri: Quecksilberpflaster bei Syphilis
Emplastrum citrinum
. Es besteht aus Wachs, Pech, Hammeltalg und Terpentin zugesetzt werden. Dies war anscheinend ein 'ein gutes Zugpflaster, um träge, schmerzlose Furunkel in Eiterung zu bringen' [2]

Emplastrum citrinum
Aus: Handwärterbuch der gesamten Chirurgie und Augenheilkunde zum Gebrauchn für angehende Aerzte und Wundärzte von Ernst Blasius, 1836, digitalisiert von Google

Emplastrum foetidum (stinkendes Pflaster): Es besteht aus Asant, Ammoniakgummi, venetianischer Seife und Baumöl. Es zerteilt, auf Leder gestrichen und anhaltend getragen, ausgezeichnet skrofulöse Drüsengeschwülste, Verhärtungen in den Brüsten und Gelenkgichtknoten [2]
Stinkpflaster
Aus: Commentar zur Preussischen Pharmacopoe 1854, digitalisiert von Google
Das Heftpflaster: eine deutesche Erfindung

Das heute gebräuchliche selbstklebende Heftpflaster ist eine deutsche Erfindung: Am 8. November 1882 erlangte die Firma Beiersdorf das Patent.

Die Entwicklung wurde durch den Apotheker-Tüftler Oskar Troplowitz serienmässig in Produktion gebracht. Oskar Troplowitz ging übrigens auch als Mann der Nivea erfand in die Pharma-Kosmetikgeschichte ein.

Nivea
Quellen, Links
[1] DAB 1926
[2] Georg Friedrich Most: Enzyklopadie der Volksmedizin 1843