Quacksalber

Der Quacksalber

Der Begriff Quacksalber kommt wahrscheinlich aus dem Holländischen kwakken und zalver

 

kwakken heisst schnattern, prahlen, anpreisen
ein zalver war ein Salbenverkäufer...

 

Eine andere Theorie findet eine Verwandschaft zwischen den Begriffen Quacksalber und Quecksilber: denn die Quacksalber vertrieben häufig Salben und Pflaster, die Quecksilber enthielten(v.a. gegen Syphilis)....

Der Quacksalber heute ...

Heute bezeichnet man mit Quacksalber eine sehr schlechte Medizinalperson in der untersten Qualitätsstufe.
Es gibt heute verschiedene Hinweise, die moderne Quacksalberei vermuten lassen...
Exotische Herkunft
Der moderne Quacksalber verspricht Heilung in auswegslosen Situationen, wenn alle andern Methoden versagen
Es werden nebenwirkungsfreie Heilungen versprochen, oder sogar ein Aufheben der Nebenwirkungen der Schulmedizin!
Angeblicher grosser Erfolg ohne Anerkennung
Das Mittel wird mit Erwähnung 'grosser Erfahrung' gepriesen, ohne dass Daten aus kontrollierten Studien zugänglich sind
Das Mittel solle bei Krankheiten verschiedenster Art wirken, ohne dass die Krankheiten miteinander zu tun haben
Komplizierte Dosierungsvorschriften, so dass Misserfolge auf Anwendungsfehler zurückzuführen sind...
Das Mittel oder die Methode wird schon seit Jahrzehnten erfolgreich angewandt, ohne jedoch je eine offizielle Anerkennung zu erlangen
Manche Mittel oder Methoden sollen anscheinend so gut wirken, dass es eigentlich völlig unverständlich sei, dass keine Zulassung als richtiges Arzneimittel vorliege.

... und damals ...

Es war ein recht angesehener Beruf mit einem hohen Unterhaltungswert: im Mittelalter reisten die Quacksalber mit den fahrenden Theatertruppen von Ort zu Ort und priesen ihre Wundermittel auf selbstgebauten Phlyakenbühnen (Phlyaken = griech. für Volkspossen), die z.T. mehrstöckig waren, mit allen (lauten und unlautern) Mitteln an.

Für die ortsansässiger Mediziner und Apotheker waren sie natürlich ein Dorn im Auge: zum Verdruss der studierten Aerzte arbeiteten sie auf dem Gebiet der inneren Medizin, zum Aerger der Apotheker verkauften sie allerlei Pillen, Salben und Geheimmittel und drangen auf diese Weise sowohl in die Gebiete der Medizin als auch der Pharmazie ein.

Der Jahrmarkt als Tummelplatz der Quacksalber

Am Jahrmarkt wurde Theater gespielt, gezaubert, musiziert und dies meist auf einem erhöhten Gerüst, damit die Darbietungen für alle Zuschauer gut sichtbar waren.

Aber auch die Quacksalber kamen zu ihrem Einsatz. In aller Öffentlichkeit wurden Zähne gezogen und kleinere chirurgische Eingriffe vorgenommen. Es scheint, dass auch damals schon die Schadenfreude zu den ungetrübtesten menschlichen Regungen gehört, und so wurde auf diese Weise allen Anwesenden viel Unterhaltung geboten, mit Ausnahme den Patienten natürlich.

So fanden also die 'medizinische' Behandlungen häufig in aller Öffentlichkeit statt. Die fahrenden Händler versorgten die ländlichen Ortschaften mit allerlei Waren: Lebensmittel aller Art, Gewürze, Stoffe, Krimskrams, während die Quacksalber mit lauter Stimme ihre Wässerchen und Heilmethoden anpriesen.

Der Quacksalber war also ein Jahrmarktsunternehmer, ein Fahrender.

Es gab sogar ganz berühmte Quacksalber, die mit einem eigenen Tross umherreisten, der sich aus 'Hilfsärzten' und Jahrmarktsartisten verschiedenster Richtungen (Feuerspeier, Seiltänzer, Schauspietruppen usw.) zusammensetzte. Machmal war sogar ein Dichter mit von der Partie. So schloss sich der berühmte Italiener Carlo Goldoni (1707-1796) einer solchen in Italien umherreisenden Gruppe an.

Die Quacksalber verkauften selbsthergestellte Arzneien und verfügten oft über recht breite Kenntnisse der Chemie und Pharmazie. Daher erfreuten und verblüfften sie die Zuschauer auch mit chemischen Zaubertricks, was den Umsatz nur steigerte...
So verkaufte ein ganz gewiefter Quacksalber ein Wässerchen, das unverwundbar gegen Schusswunden im Krieg machen sollte und demonstrierte es gleich selber vor aller Augen: er trank ein paar Schlückchen und liess sich darauf anschiessen.... Nur war das Schiesseisen gefüllt mit Spezialkugeln, die in der Luft schon zerplatzten...

 

DAS Gaunerstück der Quacksalber:
das Steinschneiden
(=Entfernen des Narrensteins aus dem Hirn...)

Vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert wurde das Steinschneiden immer wieder durchgeführt. Dahinter verbirgt sich ein ganz besonderes Gaunerstück:

Das Gehirn galt im Mittelalter als Sitz der guten und der bösen Geister. Die Quacksalber (manchmal auch als fahrende Heiler der schwarzen Magie genannt) entfernten -gegen teures Entgelt- die Narrensteine aus dem Gehirn.

So boten Quacksalber auf der Durchfahrt den Reichen an, sie könnten ihnen -gegen einen rechten Preis selbstverständlich- „den Stein“ aus dem Kopf wegoperieren; dadurch würden sie endgültig von Dummheit befreit.
Wie genau dies vonstatten ging – sicherlich jedoch ohne Narkose – ist nicht genau überliefert.


Ausschnitt aus Hieronimus Bosch's Bild 'Steinschneiden; das Original ist in Madrid im Museo del Prado zu besichtigen.
Hieronimus Bosch allerdings hat seine Vorstellung davon folgendermassen zu Bild gebracht:

Der Patient sieht dabei den Betrachter recht mitleidheischend an, während ihm der Quacksalber schon einen Schnitt auf dem Kopf platziert hat. Dieser trägt auf dem Kopf einen umgestülpten Trichter; dieses Symbol verwendete Bosch bei betrügerischen Absichten (damit schützt sich der Quacksalber wohl gegen den Himmel und somit Gott ab...)

   


Nanu, was haben wir denn da?

Beim genaueren Hinsehen erkennt man jedoch, dass der Quacksalber aus dem Kopf keinen Stein herauszieht, sondern eine Tulpe, genauer eine Sumpftulpe (=Seerose). In der Gaunersprache wurde die Sumpftulpe als Bezeichnung für Geld verwendet.

Dass der reiche Mann dieser Behandlung nur unterzogen wurde, um ihm das Geld aus der Tasche zu ziehen, wird zusätzlich sichtbar gemacht durch die Tatsache, dass seine lederne Geldbörse von einem Dolch durchstossen ist.

Bilder Wikipedia

Doktor Eisenbarth

Johann Andreas Eisenbarth (1663 - 1727) war ein deutscher Arzt, der damals grossen Ruhm im ganzen Land erlangte mit seinen Heilerfolgen. Er reiste mit einer anscheinend bis 160 Personen fassenden Truppe von Land zu Land und pries seine Wunderkuren. Als Wanderarzt durfte er nicht alles behandeln, damit er die ortsansässigen Aerzte nicht konkurrenzierte. So waren seine Spezialitäten unter anderm das 'Star stechen' beim Grauen Star, das 'Steinschneiden' (siehe oben) oder auch das Operieren von Hernien.

Hier sein damaliges Werbeplakat mit dem Text in Originalorthographie:
(Heute würde man dies Flyer nennen)

Der langen Rede kurzer Sinn: Gott hat mich als Heiler eingesetzt

 

Auxilio nihil absque DEI tua Cura laborque.

GOtt allein wird vorbehalten zu wieder geben das Licht denen Blinden, oder das Gesicht denen zu erhalten, und zu verhindern, dass nicht erfolge die Blindheit, bey denjenigen welche in Gefahr stehen, kan man mit Hilffe des Allerhöchsten vorkommen, durch fleissigen Gebrauch gegenwärtigen Wassers, Welches durch mich alein gemacht wird, zu erweisen aber, den vortrefflichen Effect an den armen Leuten denen nechst GOtt nach zu helffen, oder das Licht zu erhalten, wenn ein Mensch mit schwachen blöden fliessenden Augen, ja sogar da allbereit ein Stahr sich ansetzet, oder ein Mensch wolle blind werden, wenn er nur noch etwas erkennet dan, in kurtzer Zeit sein Gesicht wieder bekommen soll. Zur Ehre GOttes, an denen armen Leuten umbsonst zu gebrauchen.

 

 

Gott allein ist der Helffer welcher mich in meiner Kunst bißhero gesegnet das viel 100 Menschen ihre Gesundheit erlanget haben.

Johann Andreas Eyßenparth.

Anno 1692      J. E. Balduin

Bild und Text von www.pierre-marteau.com

Goethe und Faust, der Quacksalber

Schon als Kind, lange bevor er überhaupt die Idee zu seinem grossen Werk 'Faust' hatte, kam Goethe mit dem Stoff des Dr. Faustus in Kontakt: in den Puppenspielen, die auf dem Volksbuch 'Historia von D. Johann Fausten, dem weitbeschreyten Zauberer und Schwartzkünstler' aus dem Jahr 1587 basierten.

Dieses Volksbuch geht seinerseits auf eine legendäre Figur zurück: auf den angeblich um 1480 in Knittlingen geborenen Faust, der als Arzt, Quacksalber und Zauberer berühmt oder eher berüchtigt wurde und auf schrecklichstee Weise ums Leben gekommen sein soll; die Zeitgenossen interpretierten seinen mysteriösen Tod auf einen Pakt mit dem Teufel hin.

Links

Eisenbarth, Johann Andreas: ausführliche Biographie ("Exzellenter Artikel" Wikipedia)
by Isabelle Quinter